Ein Wegweiser durch den Veränderungsprozess

Der Jahresanfang ist eine hervorragende Gelegenheit, um sich neu auszurichten, Altes hinter sich zu lassen und mit frischer Energie durchzustarten. Von dieser Energie des Neuanfangs beflügelt setzen wir uns die verschiedensten Vorsätze und sind bestrebt, diesen Elan möglichst weit ins Jahr hineinzutragen. Die Grundlage dafür bilden der Drang und der Wunsch nach Veränderung und Wachstum. Im Grunde stellen wir uns also eine bessere Version von uns selbst vor und versuchen im Laufe des Jahres diese Person zu werden.

So weit, so gut. Nun wissen wir aber alle, dass es einige von diesen guten Vorsätzen nicht in die Realität der potenziellen Schöpfer schaffen. Manchmal ist es mit dem Veränderungsprozess schon vorbei, bevor der Februar angefangen hat. Woran liegt das?

Unsichtbare Strukturen

Ich stelle mir für das Verständnis gerne vor, dass wir mit allem um uns herum, mit jeder Person, mit jedem Ding, mit jeder Gewohnheit und Emotion durch unsichtbare Fäden verbunden sind. Unser Leben und die Abläufe sind eingespielt und wir laufen die meiste Zeit des Tages im Autopilot durch den Tag, was zugegebenermaßen sehr energiesparend ist, da wir nicht jeden Vorgang und jede Tätigkeit am Tag mit Energieaufwand neu erarbeiten müssen. Wenn wir unserem Chef begegnen, haben wir sofort die alt bekannte Emotion parat, die sich den Weg durch unseren Körper bahnt, ohne dass wir dafür erst neuronale Netzwerke einüben müssen. Wollen wir mit dem Auto irgendwo hinfahren, führt unser Körper ganz automatisch die verschiedenen Schritte wie Anschnallen, Motor starten, Blinker setzen und Schulterblick durch. Wir haben es einmal gelernt, immer wieder geübt, im Unterbewusstsein abgespeichert und nun läuft es im Automatikprogramm ab. Kein Nachdenken, kein Energieaufwand. Das gilt für etwa 95% unseres normalen Tagesablaufs! Sehr effizient eben, der Homo oeconomicus.

Der Nachteil dieser Effizienz liegt allerdings auf der Hand. Wollen wir aus diesem Konstrukt heraus, Dinge anders angehen oder uns verändern, dann bedeutet das, dass wir zunächst aus dem Autopilot aufwachen und zu Bewusstsein kommen müssen. Dafür gilt es nun, mit sehr viel Energieaufwand die Fäden zu den altbekannten Mustern zu trennen und uns für das unbekannte Neue zu entscheiden. Und jetzt kommt die Krux: JEDEN TAG AUF’S NEUE!

Das kraftvolle Jetzt

Wenn man sich für Veränderung entscheidet, geht das immer nur jetzt. Ich kann mich jetzt dafür entscheiden, keine Süßigkeiten zu essen. Jetzt aber Süßigkeiten zu essen und mir zu versprechen, morgen früh nichts Süßes zu essen, ist Selbstbetrug. Irgendetwas auf die Zukunft zu verschieben, funktioniert nicht. Der einzige Moment, der Veränderung bewirken kann, ist jetzt.

Da kommen wir schon zum nächsten Fallstrick. Oft scheitern Pläne an der Übermächtigkeit und Tragweite der Zukunft. Wenn ich aufhören will zu rauchen und mir vorstelle, wie ich die nächsten Tage und Wochen, in den Situationen, in denen ich sonst immer geraucht hätte, ohne meine Droge auskommen soll, ist die Verzweiflung so groß, dass ich vielleicht schon von vornherein kapituliere. Auch hier ist das kraftvolle Jetzt der Schlüssel. Ich höre nur jetzt auf. Ich denke nicht über die Zukunft nach, sondern entscheide mich nur jetzt, nicht zu rauchen. Und im nächsten relevanten Moment entscheide ich wieder nur für das Jetzt. Das Rauchen lässt sich selbstverständlich nach Belieben gegen jeden anderen Vorsatz austauschen. Beispielsweise das Aufgeben angstvoller Gedanken, mangelnder Selbstliebe, destruktiver Selbstgespräche oder ähnliches.

Motivation und Disziplin

Zu guter Letzt hängt der erfolgreiche Veränderungsprozess davon ab, dass ich dran bleibe. Es reicht nicht aus, sich am 1.1. eines Jahres für eine Veränderung zu entscheiden und darauf zu hoffen, dass es einfach wird. Wichtig ist also, sich jeden Tag neu an den Wunsch der Veränderung zu erinnern. Ideal sind die Minuten morgens nach dem Aufwachen, in denen wir uns in einem Zustand zwischen schlafend und wach befinden und unser analytischer Denker nicht allzu aktiv ist. Ein paar Minuten reichen aus. Erinnere dich daran, welche Veränderung du in deinem Leben haben möchtest und weshalb, wer du dann bist, wie du dann bist, wie du dich dann fühlst. Werde in den Minuten nach dem Aufstehen zu dieser neuen Version von dir selbst und fühle die Freude, den Stolz, die Freiheit, die Erleichterung. Du machst es jeden Morgen, bis es in deinem Unterbewusstsein gespeichert ist wie das automatische Programm des Autofahrens.

Am Jahresanfang ist die Motivation erfahrungsgemäß sehr hoch, es fällt uns leichter, uns aufzuraffen oder die Energie aufzubringen, Veränderungen umzusetzen und mit der oben beschriebenen Vorgehensweise jeden Tag dranzubleiben. Aber es wird auch Tage geben, an denen unsere Motivation im Keller ist. Hier hilft nur Disziplin! Kopf ausschalten und einfach machen. So, wie es beim Zähneputzen auch ist. Man macht es einfach, es ist wichtig. Punkt. Mache dir das vorher klar, damit dein Verstand nicht mit Ausreden durchkommt, und das wird er auf jeden Fall versuchen.

In diesem Sinne wünsche ich von Herzen einen guten Start in ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Jahr 2020!

Ps: Bleib dran, du schaffst das!

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